22.03.2010
Illiquidität und Fair Value
Die Finanzmarktkrise hat weite Teile der Geld- und Kapitalmärkte in eine Art Schockzustand versetzt und dafür gesorgt, dass vormals liquide Instrumente zurzeit unverkäuflich sind. Dieser Umstand veranlasste die Aufsichtsbehörden weltweit neue Bewertungsrichtlinien für Finanzinstrumente zu erlassen, die strengere Maßstäbe an die Bewertung von liquiden und illiquiden Papieren beinhaltet. Als liquide gelten dabei Papiere, die "aktiv am Markt" gehandelt werden, obwohl die Richtlinie nicht genau definiert, welche Kriterien ein Papier erfüllen muss, um als "aktiv am Markt" gehandelt zu gelten.
Viele Finanzinstitute stehen nun vor der schwierigen Entscheidung zu bestimmen, welche Instrumente in ihren Portfolios als illiquide anzusehen sind. Dazu kommt, dass keine Standardmodelle existieren, die eine faire Bewertung illiquider Papiere nach IFRS bzw. HGB garantieren.
Der Ansatz von ft consult stellt ein in sich konsistentes Verfahren dar, der sich an den Anforderungen der Aufsichtsbehörden und den individuellen Portfolios der Kunden orientiert. Bei der Bestimmung, ob ein Finanzinstrument illiquide ist, wird zunächst der Markt klassifiziert. In Anlehnung an IAS 39 werden zwei Hauptmärkte unterschieden:
- Aktiver Markt,
- Inaktiver Markt.
In Abhängigkeit vom jeweiligen Finanzinstrument werden verschiedene Kriterien (Preisversorgung, Bid-Ask Spread, Handelsaktivität, Anzahl der Kontributoren, etc.) herangezogen, um eine Zuordnung in diese zwei genannten Hauptmärkte vorzunehmen. Im Anschluss wird die Einteilung weiter verfeinert und die Instrumente in Orientierung an IFRS 7 klassifiziert. Dabei wird der inaktive Markt in zwei weitere Kategorien entsprechend dem Grad der Illiquidität unterteilt. Hierdurch ergibt sich folgende Markteinteilung:

Definition der einzelnen Levels:
Level 1 = Aktiver Markt
Quotierter Preis für das Papier selbst ist auf dem aktivem Markt für Finanzinstrumente beobachtbar.
Level 2 = Inaktiver Markt Kategorie 1
Bewertung des Papiers anhand vorhandener Marktpreise
- für ähnliche Finanzinstrumente
und/oder - mit Bewertungsmodellen, deren Inputparameter auf aktivem Markt beobachtbar sind.
Für das Papier selbst ist kein quotierter Preis auf aktivem Markt beobachtbar.
Level 3 = Inaktiver Markt Kategorie 2
Bewertung des Papiers mit Modellen, deren Inputparameter nicht am Markt beobachtbar sind.
Zuordnung der Papiere zu den jeweiligen Levels:
Die Zuordnung von Papieren zu Level 1 stellt sich in diesem Stadium als unproblematisch dar, da die Klassifizierung in liquide und illiquide Papiere bereits am Anfang des Prozesses erfolgte.
Für die Bestimmung von Level 2 werden die liquiden Instrumente von Level 1 den verbleibenden (illiquiden) Instrumenten als Proxy zugeordnet, wenn eine signifikante Übereinstimmung vorhanden ist. Sollte für bestimmte illiquide Instrumente kein liquider Proxy existieren, werden anhand von Intermarket-Analysen geeignete Bewertungsmodelle für die Preisbestimmung bereitgestellt. Unsere Erfahrung zeigt, dass bereits in diesem Stadium eine 100%-tige Abdeckung erreicht werden kann.
Für eventuell verbleibende Instrumente (Level 3), für die keine direkten oder indirekten Inputparameter am Markt vorhanden sind, sollten die Anschaffungskosten abzüglich Wertminderung als Preise angesetzt werden.
Interessiert Sie unser Ansatz? Haben wir Sie neugierig gemacht?
Gerne stehen wir für ein Gespräch zur Verfügung!
